Interview mit Gerald Hörhan (arbeitete bei McKinsey und JP Morgan, besitzt ein eigenes Finanzunternehmen) bei taz.de. Es geht um die Occupy-Bewegung:
taz: Herr Hörhan, Sie haben ein Buch geschrieben, in dem Sie pauschal junge Leute beschimpfen. Jetzt sagen Sie zur Occupy-Bewegung: Eure Demos bringen nichts. Was soll das?
Gerald Hörhan: Ich beschimpfe nicht. Ich kritisiere und provoziere mit Kalkül. Ich werfe der Jugend vor, dass sie sich anpasst statt zu revoltieren und selbst etwas Neues zu entwickeln. Statt wirtschaftliche Macht aufzubauen und damit politischen Einfluss zu gewinnen will sie shoppen, chillen und Schulden machen. Wenn ich bei einem Bewerbungsgespräch fordere, jemand soll pünktlich zur Arbeit kommen und etwas leisten, dann bekommt er schon allein davon fast ein Burnout und ist noch stolz drauf. Ich sage: Hört auf zu mosern. Packt euer Schicksal selber an!
Liest sich schon mal gut, trifft aber so sicher nicht auf die Teilnehmer an Occupy zu – oder doch?
taz:Sie sind ja originell: Auf der einen Seite fordern Sie “die Jugend” auf, sich nicht anzupassen. Zum anderen kritisieren Sie die aktuellen Proteste gegen das Bankensystem als “Zirkusveranstaltung” und “sinnlos”. Was denn nun?
Gerald Hörhan:Das Problem ist, dass die Demonstrationen nichts bringen, weil sie keine Ziele haben. Deshalb haben auch die Proteste in Spanien rein gar nichts gebracht. Ich gebe dagegen eine klare Anleitung, was wie zu tun ist. Wer wirtschaftliche Macht aufbauen will, muss Grundbegriffe der Wirtschaft kennen. Es ist gar nicht so schwer, die zu lernen, und es bringt was.
Das ist wichtig – sich mit dem befassen, was man kritisieren, was man ändern will, da ansonsten die Kritik verpufft, da ansonsten eine Änderung schwerlich zu erreichen ist, eine Kritik zu leicht zu widerlegen ist (wenn ich z.B. einen Motor ändern will, weil mir seine Leistung nicht gefällt, muss ich auch wissen, wie er funktioniert).
Die »Proteste« bleiben andernfalls Event und werden keine Bewegung.