HFs Libreta

Texte und Photos / Kann Spuren von Sinn enthalten

Vom ADHS ins Burn out

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Erst ADHS

Ritalin ist eine Pille gegen eine erfundene Krankheit, gegen die Krankheit, ein schwieriger Junge zu sein. Immer mehr Jungs bekommen die Diagnose. Die Pille macht sie glatt, gefügig, still und abhängig.

dann Burn out

Wenn über den Burnout geredet wird, handelt es sich meist um ein Jammern auf hohem Niveau. Das larmoyante Breittreten der Luxusproblemchen von Leuten mit fünfstelligem Monatseinkommen ist die wahre spätrömische Dekadenz unserer Zeit, meint Konstantin Sakkas.

Monogamie ist eine seltsame Heiratsform

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schreibt Patrick Imhasly.

Nicht Polygamie, sondern Monogamie ist eine seltsame Heiratsform. Jetzt hat ein Psychologe das Rätselder Einehe gelöst: Sie macht Gesellschaften friedlicher und produktiver.

Aber auch die Einehe scheint sich zu überleben:

Derzeit breitet sich in der westlichen Welt die «Polyamorie» aus. Ihre Anhänger propagieren Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen – im Wissen und Einverständnis aller Beteiligten.

Und das geht hoffentlich nicht zu Lasten der Produktivität!

Zum kompletten Artikel:
Vom Nutzen der Treue

reclothing als Ersatz

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Taschen aus gebrauchten LKW-Planen oder schweizer Militärdecken sind ja mitlerweile schon wieder ein alter Hut. Künstlich gealterte Jeans ebenso. Da muss was Neues her – und das ist Kleidung aus recyclter, getragener Arbeitskleidung. Das Zauberwort: reclothing!
Die Gebrauchsspuren durch Arbeit erzeugt der Arbeiter – der Trendsetter trägt die aufgearbeitete Kleidung mit diesen Gebrauchsspuren als Zeichen dafür, dass er nicht körperlich arbeiten muss, sozusagen als Achtung des hart arbeitenden Menschen?! Da schmeckt der Latte gleich doppelt so gut, wenn man weiß, das die Kleidung, die man trägt, mal hart gearbeitet hat!
Warum fällt mir bei solchen Gelegenheiten immer der Untergang des römischen Reiches ein?

Das ist der Tag, von dem ihr noch euern Enkelkindern erzählen werdet

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Dieses ca. 120 Seiten lange Buch ist eine Transkription (Abschrift) der Pro7-Fernsehshow Germany’s next Topmodel 2011 – Das Finale.
Jeder Satz ist hier abgetippt und in Dramenvers gesetzt. Das Layout erinnert dabei bewusst an Reclam.
Projektarbeit von Gregor Weichbrodt mit Grischa Stanjek an der HTW Berlin im Fach Typografie unter der Betreuung von Christian Hanke.

Das ist der Tag, von dem ihr noch euern Enkelkindern erzählen werdet

Hoffentlich wird es veröffentlicht! Die Macher suchen noch Unterstützung für die Veröffentlichung!

Link zum Projekt bei >>>Gregor Weichbrodt

(via oberschichtenfernsehen.de)

Greenwashing – Das neue Bewusstsein ist nur eine Fassade

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Sina Trinkwalder, als “Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit” geehrt, 33, gelernte Werberin, ist Gründerin und Geschäftsführerin des ökosozialen Augsburger Kleidungsherstellers Manomama, der laut eigenem Anspruch nicht nur umweltbewusst produzieren will, sondern fair bezahlte Näherinnen am Standort Augsburg beschäftigt. Aus ihrer Preisrede:

Das eigentliche Problem ist der Verzicht in Form von Rationalitätsaskese. Der Verzicht, sich ernsthaft mit den Problemen der heutigen Zeit auseinanderzusetzen und echte Ideen für eine tragfähige Zukunft zu entwickeln. Der Konsument gibt sich kritisch und weiß um seine “Macht”. Das macht jedoch nichts, weiß wiederum die Industrie. Zu leichtgläubig nämlich agiert der Kunde in seiner wahllosen Öko-Sehnsucht. Sie ermöglicht eine Oberflächlichkeit, die der Wirtschaft ihr Geschäft ungemein erleichtert: Ein Unternehmen muss nicht das Richtige tun, es muss nur richtig aussehen.
Der wegen des Klimawandels sensibilisierte Konsument belohnt ausgeklügelte Scheinlösungen, angepriesen als ökologische Innovation. Dieser gefährliche Stillstand der Weltverbessererwirtschaft verhindert eine kritische und visionäre Auseinandersetzung mit einer zukunftsoffenen und sinnvollen Wertschöpfung. Genau diese aber ist notwendig.

Obdachlose könnten Gemüse anbauen

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Im Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 45 2011, ein Artikel (leider [noch?] nicht online verfügbar) über vier Aktivisten aus USA, Syrien, England und Israel, die für eine gerechtere Gesellschaft aktiv werden.
Ein kleiner Auszug aus dem Gespräch:

Kristen Gwynne: Genau! Das Großartige an Occupy Wall Street und all den anderen Protesten ist doch, dass die Macht wieder bei den Menschen ist. Ich meine, wenn man zum Beispiel Obdachlose mit Essensmarken abspeist, dann bekämpft man doch nur Symptome. Viel besser wäre es, diesen Menschen den Raum zu geben damit sie ihr eigenes Gemüse anbauen, ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können. Kein Zwang, sondern eigener Wille – dafür steht Occupy Wall Street.

Mit Gemüseanbau bekämpft man auch nur Symptome und weiter: wo sollen die Obdachlosen das Gemüse zubereiten – im Pappkarton unter der Brücke?
Gwynne hat Journalismus studiert, ihr Vater ist Anwalt. Ihre Vorstellung vom Leben Obdachloser scheint sehr romantisch zu sein.
Sie findet es toll, das im Occupy-Camp eine Kochecke eingerichtet wurde, es vegetarisches Essen gibt (»wir wollen uns ja ausgewogen ernähren«), es eine Bibliothek gibt und einen Kindergarten. Da stehen die Obdachlosen und schauen neidisch zu!
Wenn das die Occupy-Bewegung ist, dann wollen wir uns mal weiter ausgewogen ernähren – alles weitere ergibt sich dann. Die Macht ist wieder bei den Menschen!

Zu Occupy – Shoppen, chillen, Schulden machen

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Interview mit Gerald Hörhan (arbeitete bei McKinsey und JP Morgan, besitzt ein eigenes Finanzunternehmen) bei taz.de. Es geht um die Occupy-Bewegung:

taz: Herr Hörhan, Sie haben ein Buch geschrieben, in dem Sie pauschal junge Leute beschimpfen. Jetzt sagen Sie zur Occupy-Bewegung: Eure Demos bringen nichts. Was soll das?
Gerald Hörhan: Ich beschimpfe nicht. Ich kritisiere und provoziere mit Kalkül. Ich werfe der Jugend vor, dass sie sich anpasst statt zu revoltieren und selbst etwas Neues zu entwickeln. Statt wirtschaftliche Macht aufzubauen und damit politischen Einfluss zu gewinnen will sie shoppen, chillen und Schulden machen. Wenn ich bei einem Bewerbungsgespräch fordere, jemand soll pünktlich zur Arbeit kommen und etwas leisten, dann bekommt er schon allein davon fast ein Burnout und ist noch stolz drauf. Ich sage: Hört auf zu mosern. Packt euer Schicksal selber an!

Liest sich schon mal gut, trifft aber so sicher nicht auf die Teilnehmer an Occupy zu – oder doch?

taz:Sie sind ja originell: Auf der einen Seite fordern Sie “die Jugend” auf, sich nicht anzupassen. Zum anderen kritisieren Sie die aktuellen Proteste gegen das Bankensystem als “Zirkusveranstaltung” und “sinnlos”. Was denn nun? 
Gerald Hörhan:Das Problem ist, dass die Demonstrationen nichts bringen, weil sie keine Ziele haben. Deshalb haben auch die Proteste in Spanien rein gar nichts gebracht. Ich gebe dagegen eine klare Anleitung, was wie zu tun ist. Wer wirtschaftliche Macht aufbauen will, muss Grundbegriffe der Wirtschaft kennen. Es ist gar nicht so schwer, die zu lernen, und es bringt was.

Das ist wichtig – sich mit dem befassen, was man kritisieren, was man ändern will, da ansonsten die Kritik verpufft, da ansonsten eine Änderung schwerlich zu erreichen ist, eine Kritik zu leicht zu widerlegen ist (wenn ich z.B. einen Motor ändern will, weil mir seine Leistung nicht gefällt, muss ich auch wissen, wie er funktioniert).
Die »Proteste« bleiben andernfalls Event und werden keine Bewegung.

Occupy-Bewegung und Papstbesuch

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Die Occupy-Bewegung scheint zu zeigen, dass es ohne Leitfigur/-en und/oder ein präzise formuliertes Programm nicht zu einer wirksamen Bewegung kommt. Es kommt zwar durch Aufrufe oder sog. Eventseiten bei sozialen Netzwerken zu öffentlichen Auftritten/Demonstrationen etc., aber diese verlaufen anscheinend mehr oder weniger im Sande.
Ein Vergleich mit den Bewegungen des sog. arabischen Frühlings bestätigt dies. Diese Bewegungen hatten ein eindeutiges Ziel/Programm: Sturz des herrschenden Diktators! Deshalb funktionierten sie auch. Jetzt ist der Diktator gestürzt und es beginnen die Mühen der Ebene, wie Brecht so zutreffend formulierte.
Die Occupy-Bewegung in Deutschland erinnert mich eher an den Papstbesuch oder das Weltjugendtreffen in Köln 2005. Es waren tolle Tage unter Gleichgesinnten, man nimmt eine gewisse Euphorie mit, die aber schnell verfliegt. So wenig, wie sich der deutsche Katholizismus nach dem Papstbesuch oder dem Weltjugendtreffen geändert hat, scheint sich etwas durch die Occupy-Bewegung zu ändern. Sie ist so wenig druckvoll, das sogar die Kanzlerin und der Finanzminister sie verstehen.