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Texte und Photos / Kann Spuren von Sinn enthalten

Die Natur macht schön

| Abgelegt unter: Architektur Natur

An Berichten über archäologische Expeditionen im südamerikanischen oder asiatischen Urwald faszinieren mich immer wieder die Bilder von Ruinen, die inzwischen vom Urwald fast komplett überwuchert sind. Trotz des offensichtlichen Verfalls, hat diese Kombination von Resten einstiger Kulturen mit der wuchernden, nicht aufzuhaltenden Natur, ihren ganz speziellen Reiz. Und das nicht nur, weil es sich um sehr alte, auch in den Resten noch schöne, Ruinen handelt.

Ruine

by pixelio.de

In unseren Breiten findet sich so etwas sehr selten; wohl nur dort, wo Älteres nicht sofort in Folge Investitionseifer und Renditerennen durch mehr oder weniger schaurige Neubauten ersetzt wird. In DE wird dies wohl hauptsächlich in wirtschaftlich nicht so prosperierenden Gegenden der Fall sein.
Die »Ruinen«, die in modernen Gesellschaften von der Natur in Besitz genommen werden, haben sicher (noch) nicht den kulturhistorsichen oder ästhetischen Wert, wie die Ruinen von Mayatempeln oder Pagoden. Aber auch sie reifen durch die Natur und rufen in dieser Verbindung Assoziationen hervor, die durchaus mit den alten Ruinen oder anderen Kunstwerken mithalten können. Beispielhaft an dieser Stelle zwei Fundstellen (hier bei VEB Wortfeile und hier bei Wikipedia [aufmerksam bin ich darauf gemacht worden durch einen Kommentar bei Exportabel]).

Lassen wir der Natur ab und zu mal freie Hand – Einkaufscenter gibt es genug.

Und wenn alle, ich nicht

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Am 11.7.2010 feierte Klaus Wagenbach seinen 80. Geburtstag. Das Geschenk, welches ihm vom Verlag gemacht wurde?, lese ich gerade (Klaus Wagenbach, Die Freiheit des Verlegers, Erinnerungen, Festreden, Seitenhiebe, Geburtstagsformat, Herausgegeben von Susanne Schüssler, Sachbuch. 2010, 352 Seiten, ISBN 978-3-8031-3632-9).
Auf Seite 21 geht es um seinen Großvater mütterlicherseits; ein großer Querkopf vor dem Herrn, wie man so sagt, und unabhängiger Geist. Sein Meisterstück, wie Klaus Wagenbach es nennt, lieferte er im sog. Tausendjährigen Reich.
Über der Haustür ließ er den den Spruch »Etsi omnes ego non« [Und wenn alle, ich nicht] anbringen. Die NSDAP wollte, das er den Spruch abnimmt, was er auch tat. Da die Buchstaben aus Messing waren und im Putz eingelassen, war der Spruch nach der Entfernung trotzdem weiter lesbar – herrlich! Nach dem Krieg ließ er den Spruch wieder anbringen.
Abgesehen von der Zivilcourage – der Spruch ist ein schönes, bedenkenswertes Motto.

Lesetipp: Onkel J. Heimatkunde

| Abgelegt unter: Literatur

Sog. zeitgenössischer Literatur stehe ich eher skeptisch gegenüber. Vieles davon hat etwas von sog. Eintagsfliegen und oft habe ich der Lebenszeit nachgetrauert, die ich damit verbracht habe. Inzwischen gehe ich rigoroser damit um und breche Lektüre schnell und konsequent ab, wenn ich nicht mindestens nach 2 bis 3 Seiten gefesselt bin.
Andreas Maier Onkel J.
Bei dem Buch »Onkel J. Heimatkunde« von Andreas Maier (Erschienen: 15.03.2010 bei Suhrkamp, 131 Seiten, ISBN: 978-3-518-42134-5) bestand diese Gefahr (die Lektüre abzubrechen) zu keiner Zeit. Jede der kurzen Geschichten (die bereits als Kolummne in der Zeitschrift »Volltext« erchienen sind), startet mit dem Wort »Neulich« und spätestens nach den ersten 3 Sätzen war ich in der Geschichte. Heimatkunde ist es, aber auf eine ganz eigene Art, und wer durch den Buchumschlag allein zum Kauf verleitet wird, wird eventuell enttäuscht sein. Es geht um die Wetterau, um Frankfurt, um Nordhessen und um die 80ziger Jahre. Und die Texte sind komisch! Und es geht nicht nur um die Wetterau, sondern es ist die Beschreibung erlebten Zeitgeschehens in bester Form. Mein erstes Buch von Andreas Maier – und sicher nicht das letzte!

Mal wieder bestätigt

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Während der vergangenen 2 Wochen war ich mal wieder kreuz und quer in Deutschland unterwegs. Und es hat sich wieder mal bestätigt, daß die Orte das Ziel Reisender sind, deren Bausubstanz aus vergangenen Zeiten stammt – mindestens ca. hundert Jahre und älter.
Jüngere Bauwerke sind ganz selten Gegenstand des Interesses, mal abgesehen von neuen Museumsgebäuden. Muss die Architektur der vergangenen 60 bis 100 Jahre erst »reifen«, um Ziel Reisender zu werden? Oder wird sie abgerissen (wie an manchen Orten schon im größeren Maßstab praktiziert)? Aber was kommt danach? Architektur ist – abgesehen von sehr seltenen Ausnahmen – auch nur noch Gegenstand von Renditeansprüchen.

Swetlana Geier und ihre 5 Elefanten

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Die 5 Elefanten sind die großen Romane Dostojewskis, die Swetlana Geier in hohem Alter neu ins Deutsche übersetzte. Nach einhelliger Meinung in einer Art und Weise, das die Neuübersetzungen auch der lesen sollte, der die Bücher schon einmal in einer anderen Übersetzung gelesen hat. Sie ist 1923 geboren, lebt in Freiburg, allein in einem Haus, das gemütlich unordentlich aussieht, in dem Film (Die Frau mit den 5 Elefanten), den Vadim Jendreyko über sie gedreht hat. Ich würde mich dort sehr wohlfühlen.
Sie kauft selbst ein, kocht selbst, kocht für ihren Sohn, der nach einem Arbeitsunfall gelähmt im Krankenhaus liegt (sie bringt das Essen selbst ins Krankenhaus). Und übersetzt die 5 Elefanten. Ihre Helfer sind etwas jünger als sie und es ist faszinierend, ihnen bei der Übersetzungsarbeit zuzusehen. Manchmal erinnerte mich das an Szenen von Loriot. Sehr akribisch und ich konnte mir nicht vorstellen, wie sie in diesem Tempo die Übersetzung dieser »Elefanten« geschafft haben.
Ihr Vater wurde ein Opfer des Stalin-Wahnsinns in den 30iger Jahren. Sie pflegte ihn nach der Entlassung aus den Folterkellern das halbe Jahr bis zu seinem Tod. Mutter und Tochter verließen Kiew 1943. Seitdem war sie nie wieder dort. In dem Film fährt sie mit einer Enkelin das erste Mal wieder in die Ukraine. Eine melancholische Reise, nochdazu im Winter. Die Datscha findet sie nicht wieder. Das Grab des Vaters und das Haus, in dem sie damals in Kiew wohnten, wohl. Ruhige Bilder, ab und zu einige versonnene Sätze. Ein stiller Film über eine besondere Frau, eine besondere Leistung, ein besonderes Leben, das in der ein oder anderen Form aber auf viele Menschen ihres Alters zutrifft. Ein Stück Zeitgeschichte, das man sich ansehen sollte – unabhängig davon, ob man an Literatur interessiert ist oder nicht.

Verlust des Nachweises bewusst geführten Lebens

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Ein Archiv ist ein Sammelsurium von Dingen, die Vergangenheit konservieren. Es wird gesammelt, konserviert, was war. Im weitesten Sinne ein Nachlass. Die Urheber dieser Dinge sind in der Regel verstorben, sie haben etwas hinterlassen, nachgelassen. Der Nachlass wird archiviert. Wird ein solcher Nachlass vernichtet, trifft der Verlust die Nachwelt, nicht den Nachlasser. So ist die Regel.
Der Einstruz des Stadtarchivs in Köln zeigt, dass es auch anders sein kann. Woran man in in solchen Fällen garnicht denkt – es gibt auch sogenannte Vorlasse, von Lebenden zu Lebzeiten ins Archiv gegebene Dokumente, Manuscripte, Entwürfe, Kunstwerke. Wird ein solcher Vorlass vernichtet, trifft es Lebende. Der Verlust dieser Dinge trifft hart – hätte man sie behalten, wären sie nicht vernichtet worden. In dieser Situation ist Anne Dorn; sie hat beim Einsturz des Stadtarchivs ihren Vorlass verloren. Was dies für sie bedeutet, schildert sie in einem Text, der in der Zeitschrft für Bibliothekswesen und Bibliographie (ZfBB) erschienen ist und jetzt unter dem Titel »Mein Humus ist weg – zum Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln« im Verlag XIM Virgines von Michael Serrer herausgegeben wurde.
Neben dem Schmerz des Verlustes trifft sie besonders die (Nicht)Informationspolitik des Kölner Stadrats, der die Betroffenen auch wochenlang nach dem Einsturz noch im Unklaren darüber lässt, was wie vom Einsturz betroffen ist.
»Die vielleicht für immer verloren gegangenen Nachweise von bewusst eigenverantwortlich geführten Leben« – Dieser Satz vermittelt, neben dem schrecklichen Verlust zweier Menschen und der Gefährdung vieler anderer, die eigentliche Tragik des Einsturzes. Keine Bestrafung irgendwelcher Schuldiger (nach der es momentan nicht aussieht) wird hieran etwas ändern können.