HFs Libreta

Texte und Photos / Kann Spuren von Sinn enthalten

Noch ist es warm

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- zumindest nach den Maßstäben derjenigen, die im GULag als Häftlinge (meist ohne Gerichtsverfahren) ausgebeutet wurden, die unter extremsten Bedingungen Arbeiten und Leben mussten und zu Millionen starben. Dort in Sibirien hätten sich die Häftlinge über die derzeit hier herrschenden -15°C gefreut.

Ein Thermometer bekamen die Arbeiter nicht zu sehen, und das war auch nicht nötig, zur Arbeit ausrücken mussten sie bei jeder Temperatur. Außerdem konnten Alteingessene den Frost auch ohne Thermometer fast exakt bestimmen: (….) Bei über fünfzig Grad – gefriert die Spucke in der Luft. Die Spucke gefror in der Luft schon seit zwei Wochen.

Er schlief natürlich auf der oberen Pritsche, unten war ein Eiskeller, (….). Oben war es wärmer, obwohl man natürlich in den Sachen schlief, in denen man auch arbeitete – in Mütze, Weste, Steppjacke, Wattehosen. Oben war es wärmer, doch auch dort froren die Haare über Nacht am Kissen fest.

(Aus: Durch den Schnee: Erzählungen aus Kolyma 1, von Warlam Schalamow, ISBN-13: 978-3882216004)

Jede Generation fragt wieder neu

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Neulich ein Interview mit einem »Wendekind«, einer jungen Frau, die 1990 zehn Jahre alt war und jetzt ein Buch geschrieben hat, in dem sie ihre Wendeerfahrungen schildert/verarbeitet. Die Interviewerin fragt, was ihre Eltern zu dem Buch sagen, ob sie sich mit den Eltern über deren Leben in der DDR unterhalten hat. Hat sie und auch die Frage gestellt, wie sie, die Eltern, das denn alles mitmachen konnten; sie hätten doch gewusst, was da so alles schief läuft und welche Grausamkeiten im Namen des Sozialismus begangen wurden.

Diese Frage (sinngemäß) wurde auch der Generation gestellt, die ihr Leben im sog. Dritten Reich gelebt hat; damals, in den Sechzigern mussten sie sich das beantworten. Beide Generationen konnten es nicht legitimieren, dass sie nicht gegen das jeweilige Regime aufgestanden sind, das sie sich nicht verweigert haben. Das Leben hat sich so ergeben, könnte man als Begründung sagen. Eine Entschuldigung ist das nicht.

Was werden wir gefragt, irgendwann? Unrecht, Grausamkeiten, vergleichbar mit dem, was im Dritten Reich oder der DDR geschah, sind in der Bundesrepublik glücklicherweise nicht zu beklagen. Aber können wir den Fragen künftiger Generationen entspannt entgegen sehen? Welche Fragen könnten uns gestellt werden?

      Warum habt ihr nichts gegen den Hunger in der Welt getan?
      Warum habt ihr nichts gegen Folter in der Welt unternommen?
      Warum habt ihr zugelassen, das spätere Generationen mit eurem Wohlstandsmüll belastet werden?
      Warum habt ihr nicht früh genug etwas gegen den umweltzerstörenden Individualverkehr unternommen?

Dies wären nur ein paar mögliche Fragen; es gibt noch mehr, viel mehr. Unsere Antworten darauf werden genauso hilflos sein, wie die Antworten der früheren Genrationen auf die Fragen zu deren Mitläuferschaft.

Die Toten können sich nicht wehren

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Viele Denker und ihre Denkergebnisse werden später, nach ihrem Tod, missbraucht, missbraucht aus vielerlei Gründen. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele: Karl Marx, Friedrich Nietzsche seien genannt.
Schlimm ist es, wenn durch den Missbrauch eine Rückwirkung entsteht. Dies bleibt Adorno hoffentlich erspart – wieso Adorno? Hierzu siehe die Diskussion um Thea Dorn bei Klaus Baum und Feynsinn:

Die Aufregerin …
Noch einmal zu Thea Dorn
Ist Thea Dorn jetzt größenwahnsinnig? Sei meint: Den Sozialstaat schaffe ich auch noch.
Thea Dorn und Kafkas Josefine
Thea Dorns gestammeltes Neusprech

Niedergang und Dekadenz

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»Toni Neissers keineswegs beiläufige Bemerkung knüpfte an etwas an, das für ihre Generation, anders als für die unsere, selbstverständlich war: In einer Welt, in der alles im Überfluß vorhanden war, wurde großer Wert darauf gelegt, daß man verzichten konnte. Man fürchtete sich, dem Luxus zu erliegen, seinen Wohlstand zur Schau zu stellen, es sich allzu leicht zu machen, denn in alledem lauerte die Gefahr des Niedergangs und der Dekadenz.«

(Zitat aus: Fritz Stern, Fünf Deutschland und ein Leben, dtv)

Spießig? – von wegen!

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Was war das spießig, damals, als ich jung war! Wer wollte als Jugendlicher schon einen Schrebergarten haben oder in einem Schrebergarten mitarbeiten. Genauso erging es dem Wohnwagenurlaub. Was haben wir die Wohnwagenurlauber belächelt – wenn Camping, dann mit Rucksack und Zelt.
Das ist heute alles anders. »Urban gardening« oder auch »Urban agriculture« ist hipp, nichts mehr von Spießigkeit. Und auch die Wohnwagen sind in – natürlich im Retrostil. Was könnte als Nächstes (wieder) kommen? Warten wir es ab und amüsieren uns!

Die Bahn liebt nur wenige ihrer Kinder

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Die Bahn baut weiter, in Stuttgart, trotz Protesten und trotz ausstehenden Stresstest. An anderen Stellen wird plattgemacht, weil nicht so prestigeträchtig, wie am Bahnhof Wegeleben zu sehen ist (eines von vielen Beispielen).
Früher ein durchaus lebhafter Bahnhof mit Umsteigemöglichkeiten nach Thale (Harz), Halle/Leipzig und einer regen Rangiertätigkeit. Ein durchaus imposantes Bahnhofsgebäude mit Restaurant und Warteraum – all dies wurde plattgemacht bzw. verfällt. Mit einem Bruchteil der Milliarden, die für Stuttgart zu zahlen sind, hätte dies erhalten werden können.

Hier der traurige Rest eines einstmals lebhaften Bahnhofs:

Die Gebäude verfallen, die Türen und Fenster sind zugenagelt. Der Rangierteil ist Wüstenei, lediglich zwei Gleise sind noch in Betrieb.