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Texte und Photos / Kann Spuren von Sinn enthalten

Jede Generation fragt wieder neu

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Neulich ein Interview mit einem »Wendekind«, einer jungen Frau, die 1990 zehn Jahre alt war und jetzt ein Buch geschrieben hat, in dem sie ihre Wendeerfahrungen schildert/verarbeitet. Die Interviewerin fragt, was ihre Eltern zu dem Buch sagen, ob sie sich mit den Eltern über deren Leben in der DDR unterhalten hat. Hat sie und auch die Frage gestellt, wie sie, die Eltern, das denn alles mitmachen konnten; sie hätten doch gewusst, was da so alles schief läuft und welche Grausamkeiten im Namen des Sozialismus begangen wurden.

Diese Frage (sinngemäß) wurde auch der Generation gestellt, die ihr Leben im sog. Dritten Reich gelebt hat; damals, in den Sechzigern mussten sie sich das beantworten. Beide Generationen konnten es nicht legitimieren, dass sie nicht gegen das jeweilige Regime aufgestanden sind, das sie sich nicht verweigert haben. Das Leben hat sich so ergeben, könnte man als Begründung sagen. Eine Entschuldigung ist das nicht.

Was werden wir gefragt, irgendwann? Unrecht, Grausamkeiten, vergleichbar mit dem, was im Dritten Reich oder der DDR geschah, sind in der Bundesrepublik glücklicherweise nicht zu beklagen. Aber können wir den Fragen künftiger Generationen entspannt entgegen sehen? Welche Fragen könnten uns gestellt werden?

      Warum habt ihr nichts gegen den Hunger in der Welt getan?
      Warum habt ihr nichts gegen Folter in der Welt unternommen?
      Warum habt ihr zugelassen, das spätere Generationen mit eurem Wohlstandsmüll belastet werden?
      Warum habt ihr nicht früh genug etwas gegen den umweltzerstörenden Individualverkehr unternommen?

Dies wären nur ein paar mögliche Fragen; es gibt noch mehr, viel mehr. Unsere Antworten darauf werden genauso hilflos sein, wie die Antworten der früheren Genrationen auf die Fragen zu deren Mitläuferschaft.

Lebenslang

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Lebenslanges Lernen ist nichts Neues; in der Berufswelt wird es immer wieder betont, aber nach meiner Erfahrung wird in den Unternehmen wenig dafür getan. Die Arbeit wird eher gegenteilig strukturiert, sprich: es wird versucht, die anfallende Arbeit auf möglichst simple Module runter zu brechen, um sie von billigen Arbeitskräften erledigen zu lassen. Wissen ist dabei eher nicht »zielführend«. Aber darum geht es mir hier gar nicht.

Seit ich mehr Zeit habe und diese auch zu mehr Lektüre nutze, geht mir bei vielen Büchern durch den Kopf, dass ich sie früher hätte lesen sollen, dass das, was darin beschrieben ist, auch für alle Menschen von Bedeutung ist. Eine nach Beendigung der Schul- und Ausbildungszeit fortgesetzte Ausbildung wäre wichtig und sinnvoll; eine Ausbildung, die nicht vordergründig der Befähigung zu einer Berufsausübung dient, sondern der Vervollkommnung des Menschen in moralischer, politischer, sozialer Hinsicht. Dies in Form einer verpflichtenden Erwachsenenbildung, als Teil der Berufstätigkeit.

Der Brahmane und die alte Frau

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Der Brahmane ist unglücklich, weil er trotz seiner Forschungen, trotz er Andere belehrt, er nicht weiß, woher er kommt, noch was er ist oder wohin er geht und was aus ihm wird.
Ein altes Weib, arm und glücklich, macht sich keine Gedanken, ist zufrieden, wenn sie sich in den Wassern des Ganges waschen kann.
Der Brahmane will nicht tauschen, will nicht das Glücklichsein der alten Frau eintauschen gegen die Aufgabe seines Wissens: glücklich, aber dumm, ist für ihn kein annehmbares Angebot. Auf diese Art Glück will er verzichten.

Gelesen habe ich diese Parabel das erste mal mit Mitte Zwanzig, in einer Phase des Suchens. Damals war dieser Text eine Hilfe. Trotz Nachdenken, Lesen, mehr Wissen erwerben nicht glücklicher, nicht zufriedener werden – nicht nur mir schien es so zu gehen. Und der Weg zurück war nicht möglich; wieder »dumm«, wieder unwissender zu werden, ist keine mögliche Option.

Ist Glückichsein das anzustrebende Ziel? Hindert Denken, nach Wissen streben am Glücklichsein? Dann müsste ich es aufgeben, sofern dieses Glücklichsein das Ziel ist.

Ich kümmere mich um nichts, nehme alles hin, bin glücklich oder ich engagiere mich, erwerbe Wissen, versuche zu ändern, was mir nicht passt, aber bin dann zwangsläufig unglücklich, da ich selten das Angestrebte erreiche. Früher war dies so, früher war ich in diesem Sinne unglücklich. Heute bin ich glücklich, obwohl ich nicht alles erreiche, vieles nicht weiß. Ein großes Glück ist für mich der Wissenserwerb, dieses Wissen ab und an anwenden, etwas damit bewegen zu können.

Geschichte eines guten Brahmanen, von Voltaire (PDF, 33kB)

Kurze Auszeit, statt etwas zu verändern

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Heft 43/2011 des »Süddeutsche Zeitung Magazin« hat als Hauptthema »nette Gastgeber« – Egal, wie weit wir fahren: Am schönsten ist Urlaub da, wo wir uns sofort daheim fühlen.
Südtirol, Neuseeland, Kloster Athos, die Abruzzen, Bali, Kyoto, Chile, Indien. Sätze wie: »Der Dalai Lama brach in Tränen aus, als er hier war – so schön ist es.«, »Man muss nicht religiös sein, um hier das Paradies zu finden.« oder »In der Klosterrepublik leben die Mönche nicht in einer anderen Zeit, aber völlig anders als der Rest der Welt. Ein idealer Zufluchtsort für junge Griechen, die genug von der Krise haben.« zeigen, das es hier in Richtung Idylle, kurzeitig abwenden von der Wirklichkeit, geht. Es wird Kraft getankt, um danach wieder mitzuschwimmen im Strom, den man als Belastung empfindet, aber als nicht änderbar hinnimmt. 14 Tage, vielleicht 3 Wochen, mehr Ausstieg geht nicht. Danach wird wieder mitgeschwommen, aber darüber räsoniert, wie schlimm das alles ist und wie gut es doch die Leute haben, die zwar (materiell) ärmer als wir sind, dafür aber glücklicher. (Um zu diesen glücklichen Menschen zu kommen, muss man allerdings Geld haben!)
Die Zeit ist gerade günstig – werde ärmer, aber glücklicher!

Erlebnishunger heilen

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Er ließ nichts unversucht, um seinen Erlebnishunger zu stillen; stopfte alles in sich rein (all-you-can-experience), erlebte und erlebte und …, wurde Eventmanager (war also sozusagen an der Quelle). Jetzt ist er in der Klinik für angewandte Lebenskunst, keine Events, sozusagen auf Entzug. Als Ersatzdroge, als Event-Methadon, werden Berichte von Parteitagen gezeigt. Die Rückfallquote soll verschwindend gering sein.

Sich ändern

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»Manchmal wäre er gern ein anderer gewesen. Einer, der seine Gefühle im Griff hatte, der sich vom Intellekt leiten ließ. Der nichts an seine Psyche heranließ, was ihm nicht paßte.

Er hätte sich gerne geschützt, abgeschottet vom Unglück anderer Menschen.

Hunkeler konnte das nicht, er wollte es im Grunde auch garnicht können.«
(Hansjörg Schneider, Tod einer Ärztin,)

Wenn man es garnicht will, wird es auch nichts. Aber selbst wenn man es will, ist es sehr schwer sich zu ändern; Gewohnheiten, Einstellungen, Verhaltensweisen haben einen ehernen Charakter. Es braucht Geduld – Geduld auf beiden Seiten. Und Beobachtung, denn nicht immer ist klar erkennbar, das jemand gerade dabei ist, sich zu ändern, sich damit abquält.

Spießig? – von wegen!

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Was war das spießig, damals, als ich jung war! Wer wollte als Jugendlicher schon einen Schrebergarten haben oder in einem Schrebergarten mitarbeiten. Genauso erging es dem Wohnwagenurlaub. Was haben wir die Wohnwagenurlauber belächelt – wenn Camping, dann mit Rucksack und Zelt.
Das ist heute alles anders. »Urban gardening« oder auch »Urban agriculture« ist hipp, nichts mehr von Spießigkeit. Und auch die Wohnwagen sind in – natürlich im Retrostil. Was könnte als Nächstes (wieder) kommen? Warten wir es ab und amüsieren uns!

Fragmente [20]

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»Wir sollten einen Neuanfang wagen.« – was nie im beabsichtigten Sinn erfolgreich sein kann. Es besteht keine Möglichkeit, wieder an den Start zurückzukehren und »neu« zu beginnen; es bleibt immer etwas von dem, was man durch den Neuanfang verschwinden lassen will.

Ankommen – Literatur und Migration

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Martin R. Dean, Schriftsteller in Basel, Vorstandsmitglied von »Kunst und Politik« schreibt bei der WOZ über »Literatur und Migration Es geht ums Ankommen – und nicht mehr ums Weggehen«.

Fünfzig Jahre lang wurde über sie debattiert. Nun sind es die Zugewanderten selbst, die sich zu Wort melden. Die Schweizer Literatur profitiert.

Dies gilt auch für Deutschland, für die deutsche Literatur.