HFs Libreta

Texte und Photos / Kann Spuren von Sinn enthalten

Die Geister, die sie riefen

| Abgelegt unter: Gesellschaft

werden sie jetzt nicht mehr los? Im Zuge der sog. Integrationsdebatte wurde ja auch mal wieder die christlich-jüdische Basis unserer sog. Leitkultur betont – als Gegensatz zum Islam, zu fremden Kulturkreisen. Als Bollwerk gegen das Überolltwerden durch die fremden Horden aus dem Morgenland.
Das ruft naturgemäß die Kritiker der allzumächtigen Staatskirche auf den Plan und Kirche und sog. christliche Parteien schreien auf. Herr Seehofer und Co. würden die Geister gerne wieder los.

Vor dem Hintergrund der Integrationsdebatte diskutieren Koalition und Opposition das Verhältnis von Kirche und Staat. FDP-Generalsekretär Christian Lindner forderte mehr staatliche Neutralität gegenüber den Religionen. Eine Gruppe von Laizisten in der SPD dringt auf eine strikte Trennung von Staat und Religion.
Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, kritisierte die Sozialdemokraten daraufhin scharf. Mit der geplanten Gründung eines laizistischen Arbeitskreises in der SPD falle die Partei hinter ihr Godesberger Grundsatzprogramm von 1959 zurück, sagte Zollitsch WELT ONLINE. Damals hätten die Sozialdemokraten sich den Kirchen angenähert und ihren öffentlich-rechtlichen Schutz ausdrücklich anerkannt.

Trennung von Kirche und Staat, mehr staatliche Neutralität gegenüber den Religionen – das spricht doch nicht gegen Kirche, nicht gegen Religion, oder? »Abbau von Privilegien« lautet doch die große Losung zur Zeit – und da will die Kirche sicher nicht zurück stehen.

Wieder eine Enttäuschung reicher

| Abgelegt unter: Leben

Herr Joschka Fischer nutzt seine Bekanntheit (und seine Verbindungen?) aus; daran habe ich mich gewöhnt. Die Wunde ist vernarbt.
Alice Schwarzer schreibt jetzt für die Bildzeitung, als »Hofberichtsreporterin« vom Kachelmann-Prozess. Sie begründet dies auch in einem Artikel bei BILD (»Warum ich für BILD vom Kachelmann-Prozess berichte«).

Den konnte ich immer gut leiden. Ich war mehrfach in einer seiner Sendungen. Und einmal haben wir sogar Rock ’n’ Roll zusammen getanzt. Live. Und uns ziemlich amüsiert. Ich bin also eine von vielen, denen das scheinbar Unbekümmerte, das Lässige an ihm gefiel.

Wenn dem so ist, dann kann sie ihn halt gut leiden. Aber muss man deswegen als Alice Schwarzer für BILD schreiben? Oder ist das inzwischen die einzige Zeitschrift, die Alice Schwarzer noch veröffentlicht?
Ein Zeitalter geht zu Ende.

Lebloses Staatsoberhaupt

| Abgelegt unter: Regierung

In der neuesten Ausgabe (12/2010) von »Ossietzky«:

Sigmar Gabriel. - Weshalb Ihr Kandidat Bundespräsident werden muß, haben Sie zur Begeisterung Ihres Parteigefolges werbewirksam zu begründen gewußt: »Joachim Gauck bringt ein Leben mit in seine Kandidatur und in sein Amt, Christian Wulff nur eine politische Laufbahn«. Ein schlagendes Argument. Wer möchte schon ein lebloses Staatsoberhaupt.

Wenn man im Glashaus sitzt, sollte man nicht mit Steinen werfen. Vielleicht will Gabriel auch mal BuPrä werden – dann sollte er bis dahin versuchen, seine politische Laufbahn durch ein Leben zu ersetzen!

Merkel will Neuwahlen

| Abgelegt unter: Regierung

Den Regierungsstart vergeigt, die NRW-Wahlen verloren, der Koalitionspartner und dessen Wahlversprechen nähern sich der Wahrnehmungsgrenze, die Vorschläge für das sog. Finanzmarktkrisenbewältigungs-Spar-Paket sind eine Demonstration politischer Hilflosigkeit und Flickschusterei, ihr Bundespräsident zieht sich ins Privatleben zurück und die umherfliegenden Vorschläge für seine Nachfolge lassen Schlimmes erahnen. In der Aussenpolitik ist Frau Merkel auch jüngst gescheitert, der Abstieg von der Everybody’s-Darling-Position auch hier. Nichts Substanzielles zustande gebracht, lautet das Fazit.
Insoweit sind die in der überschrift angesprochenen Neuwahlen das Sinnvollste, was sie tun könnte – mit weit mehr Berechtigung, als Gerhard Schröder es seinerzeit getan hat. Wenn es ihr und den Koalitionsparteien um mehr als puren Machterhalt geht, sollten Neuwahlen angesetzt werden – ausser es kommt zu einer (wohl unwahrscheinlichen) konstruktiven Zusammenarbeit aller Parteien zwecks Bewältigung der derzeitigen Probleme (womit nicht gemeint ist, das die Opposition dazu verurteilt wird, die Vorschläge der Koalition abzunicken). Es müsste also ein Wunder geschehen!

Ausdauer und Recht haben

| Abgelegt unter: Leben

Ich kenne Menschen, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit vor etwas warnen. Jahrelang, jahrzehntelang, immer zu den gleichen Gelegenheiten. Die Warnungen werden zum Stereotyp. Trifft dann noch zahllosen Wiederholungen der immer gleichen Warnungen irgendwann eine davon ein, wird von den Warnenden so getan, als wäre dies die Bestätigung. Ein Treffer legitimiert zehntausend Schüsse ins Blaue.