HFs Libreta

Texte und Photos / Kann Spuren von Sinn enthalten

Nacktscanner im Alltag

| Abgelegt unter: Leben

Heute morgen in der Bahn, noch im Halbschlaf, auf dem Weg zum Broterwerb. Die Sonne scheint schräg von der Seite in den Wagen, die Morgenluft ist kühl, angenehm nach den heissen Tagen.
In der anderen Sitzplatzreihe gegenüber, zwei Sitze entfernt, eine Frau, die jeden anderen Mitfahrer – und insbesondere jede andere Mitfahrerin – mit Blicken taxiert, von oben bis unten auf’s Genaueste mustert. Ihren Augen und dem Gesichtsausdruck ist zu entnehmen, das dies nicht aus Interesse an der Person, sondern mit bewertenden Absichten erfolgt. So wie sie blickt, hat niemand Bestand vor ihrer Einschätzung; das Urteil ist wohl immer mehr oder weniger vernichtend. Menschen wie sie, müssen das Vorbild für die Nacktscanner gewesen sein.

Heute kommt er, der Neue

| Abgelegt unter: Regierung

Heute passiert es, ob wir wollen oder nicht. In Berlin treffen sich die Volksvertreter, um einen neuen BuPrä zu küren. Heute ist er, zum Glück, zu Ende, der Hype um den Neuen. Das Medientheater um zwei der Kandidaten (der dritte bzw. die Dritte fand in den Medien quasi nicht statt) konnte problemlos mit »Deutschland sucht den Superstar« mithalten. Der vom letzten BuPrä monierte fehlende »Respekt vor dem Amt« war nicht Gegenstand der Überlegungen.
Egal wer es letztlich wird – er wird erst einmal daran arbeiten müssen, das Amt in seriöses »Fahrwasser« zurück zu bringen. Vielleicht hilft ihm dabei die Fussball-WM. Frau Merkel fliegt erst einmal nach Südafrika, um die deutsche Mannschaft zu unterstützen (wie mag das aussehen?). Vielleicht gefällt es ihr dort und sie sucht sich eine neue Bleibe, als Wildhüterin oder was auch immer. Ich glaube, niemand würde merke(l)n, dass sie nicht mehr da ist.

Die Hitze, die Bahn und die Raumfahrt

| Abgelegt unter: Verkehr

Wie jeden Werktag mit der Eisenbahn unterwegs. Jetzt, im Sommer, noch nerviger als sonst – es kommt mit zunehmenden Temperaturen eine weitere Belastung hinzu. Neben prall gefüllten Regionalbahnen, Verspätungen (»wir danken für Ihr Verständnis!«), sich nicht öffnenden Türen nun auch noch die Hitze. Klimaanlagen sind in den Zügen vorhanden, laufen aber mit kaum spürbarer Kraft oder garnicht. Fenster lassen sich nicht öffnen. 30 Min. können da sehr lang werden. Der Versuchung, auf das klimatisierte Auto auszuweichen, ist kaum zu widerstehen. Noch schaffe ich es.
Die Gedanken schweifen in solchen Momenten hitzebenebelt durch das immer wärmer werdende Hirn und dabei kommt auf einmal die Erkenntnis (ausgelöst durch die momentanen äußeren Umstände), dass es völlig unmöglich scheint, einen der großen Träume der Menschheit – mit riesigen Raumschiffen durchs All zu fliegen – zu verwirklichen. Falls doch, dann sicher nicht von einem Unternehmen, welches auch nur ansatzweise mit terrestrischem Personentransport zu tun hat/zu tun hatte. Es müßte eine völlig neue Spezies sein, die den Weltraumtransport technisch möglich macht und organisiert. Ich bin mir aber sicher, das dies nicht gelingen wird. Und falls doch, dann haben die Raumschiffe Verspätungen im Bereich von Lichtstunden (»wegen Störungen im Betriebsablauf!«) oder man kommt in einer völlig anderen Galaxie an, als angekündigt. Es wird wohl nichts mit »Beam me up, Scotty« – mir würde es schon reichen, ich käme pünktlich, entspannt und nicht völlig durchgeschwitzt von Köln nach Bonn – es müßte nicht mal gebeamt sein!

Ein Thema beherrscht die Blogosphäre

| Abgelegt unter: Medien

Es gibt ein Thema in der Blogosphäre, welches wohl sämtliche Rekorde brechen wird – Rekorde, was die Anzahl der Artikel betrifft, als auch Rekorde bei den Kommentaren. Einen Artikel zum Thema habe ich gesehen, der war mit sage und schreibe 218 Kommentaren versehen (gebt bei Google mal bei Blogsuche das Stichwort »Vuvuzela« ein und ihr wisst, was ich meine).
In Blogs werden Tipps gegeben, wie man die Vuvuzela-Töne herausfiltern kann.
Ein Hype sondergleichen. Schön, wenn das unsere Sorgen sind!

Lebloses Staatsoberhaupt

| Abgelegt unter: Regierung

In der neuesten Ausgabe (12/2010) von »Ossietzky«:

Sigmar Gabriel. - Weshalb Ihr Kandidat Bundespräsident werden muß, haben Sie zur Begeisterung Ihres Parteigefolges werbewirksam zu begründen gewußt: »Joachim Gauck bringt ein Leben mit in seine Kandidatur und in sein Amt, Christian Wulff nur eine politische Laufbahn«. Ein schlagendes Argument. Wer möchte schon ein lebloses Staatsoberhaupt.

Wenn man im Glashaus sitzt, sollte man nicht mit Steinen werfen. Vielleicht will Gabriel auch mal BuPrä werden – dann sollte er bis dahin versuchen, seine politische Laufbahn durch ein Leben zu ersetzen!

In den nächsten 4 Wochen

| Abgelegt unter: Allgemein

lohnt es sich wahrscheinlich nicht, in der Blogosphäre unterwegs zu sein – oder ist ausser mir noch jemand da, der kein Fußball schaut und ab und an auch mal etwas veröffentlicht, was nichts mit den Spielen zu tun hat? Ich wäre dankbar!

Schon jetzt nerven die vielen Fensterfahnen, die auf den Strassen herumliegen – scheinbar wissen die Fans nicht, das die Fahne wegfliegt, wenn man das Fenster während der Fahrt runter fährt. Bin froh, das mir noch keine auf der Autobahn gegen mein Auto geflogen ist. Da sind die Aussenspiegelverkleidungen schon praktischer und weniger protzig.
Naja, in vier Wochen ist alles vorüber! :-)

Mangelnder Respekt für das Amt??

| Abgelegt unter: Regierung Verantwortung

Irgendetwas stimmt nicht in Deutschland – Frau Käßmann, Frau Drohsel, Herr Koch und nun Herr Köhler. Niemand will mehr ein Amt, schon garnicht in der Politik, wie es scheint.
Horst Köhler fühlt sich missverstanden (aber nicht mal seine Kanzlerin hat ihn unterstützt!). Er ist aber auch noch beleidigt:

Die Unterstellung, er habe einen grundgesetzwidrigen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befürwortet, entbehre jeder Rechtfertigung, sagte Köhler. Sie zeuge von mangelndem Respekt für das Amt.

Hatte er denn Respekt vor dem Amt, als er sein Interview gab – auch wenn es nicht auf Afghanistan gemünzt war, war es doch eine Befürwortung eines militärischen Einsatzes zur Wahrung von Handelsinteressen und zur Sicherung von Arbeitsplätzen, oder?

By the way: Das Argument »mangelnder Respekt für das Amt« sollte im Übrigen auch dann gelten, wenn das Amt besetzt wird. Nicht Jeder ist für jedes Amt geeignet.

Banale Authentizität

| Abgelegt unter: Gesellschaft Medien Musik

In einer Welt, in der fast alles inszeniert ist, das Fernsehprogramm überwiegend aus Formaten besteht, die die Wirklichkeit nur nachstellen, setzt irgendwann der Sättigungseffekt ein. Selbst das geduldigste (oder auch selbstbetrügerischste) Publikum hält die Soaps, die Perfekten Diner, die Gerichtssendungen, Big Brother, DSDS etc. nicht mehr aus und giert nach Authentizität, wie ein Verdurstender nach einem Schluck Wasser. Diese Reaktion ist grundsätzlich positiv zu sehen, wird allerdings dann zum Problem, wenn Authentizität das einzige Bewertungskriterium wird – »Hauptsache authentisch« – alles Andere ist nebensächlich.
Eine 17jährige gewinnt mit einem Lied, welches textlich und musikalisch banal ist und das sie in einer Sprache singt, die nur sie versteht, einen sog. European Song Contest. Sie ist so nett, fröhlich und authentisch. Das reicht, mehr muss es nicht sein. Es sei ihr gegönnt. Ich wünsche ihr, dass sie den ganzen Rummel halbwegs unbeschadet übersteht. Der Hype wird bald vorüber sein; in wenigen Tagen beginnt die Fußballweltmeisterschaft und dann strömt die Spaßgesellschaft zum nächsten Public Viewing. Lena sollte schnell noch eine Fußballhymne aufnehmen – aber die muss authentisch sein!