HFs Libreta

Texte und Photos / Kann Spuren von Sinn enthalten

Kinderlos – bin ich ein Sozialschmarotzer?

| Abgelegt unter: Gesellschaft Verantwortung

Wir haben keine Kinder. Warum dies so ist, geht nur uns etwas an. Wir haben 43 Jahre gearbeitet, Steuern und Sozialabgaben gezahlt. Das ist anscheinend nicht ausreichend. Kinderlose wie wir, sollen mehr Sozialabgaben zahlen, wenn es nach Mitgliedern der CDU geht.

Da kinderlos, haben wir von unserem Einkommen einen entsprechend hohen Satz an Steuern gezahlt. Die Sozialabgaben orientierten sich an unserem Gehalt, welches vielleicht weil wir kinderlos waren, höher war, als das von Arbeitenden mit Kindern und somit auch zu höheren Sozialabgaben führte. Von unseren Steuern wurde und wird u.a. auch das Bildungssystem bezahlt und auch Kindergeld wird aus Abgaben gezahlt, für die wir mit aufkommen. Unsere Krankenversicherungsbeiträge enthielten auch Anteile dafür, das Kinder im Rahmen der Krankenversicherung der Eltern ohne besonderen Beitrag versichert sind.

Wir sind für eine dauerhafte Erhaltung unseres Sozialsystems, wozu auch das Rentensystem gehört. Das Rentensystem basiert auf dem Solidarprinzip; die Beitragszahlung orientiert sich am Gehalt, ist ein einheitlicher Prozentsatz (und wurde gerade von der CDU-geführten Regierung reduziert). Es steht anscheinend gut um unser Rentensystem!

Wenn Kinderlose künftig mit einer »Sondersteuer« belegt werden sollen – bekommen sie diese erstattet, wenn sie später doch noch Kinder bekommen? Müsste – um es gerecht zu machen – dann nicht auch eine »Sondersteuer« abhängig von der Kinderzahl gezahlt werden? Denn je mehr Kinder, desto mehr künftige Beitragszahler.

Monogamie ist eine seltsame Heiratsform

| Abgelegt unter: Leben

schreibt Patrick Imhasly.

Nicht Polygamie, sondern Monogamie ist eine seltsame Heiratsform. Jetzt hat ein Psychologe das Rätselder Einehe gelöst: Sie macht Gesellschaften friedlicher und produktiver.

Aber auch die Einehe scheint sich zu überleben:

Derzeit breitet sich in der westlichen Welt die «Polyamorie» aus. Ihre Anhänger propagieren Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen – im Wissen und Einverständnis aller Beteiligten.

Und das geht hoffentlich nicht zu Lasten der Produktivität!

Zum kompletten Artikel:
Vom Nutzen der Treue

Jede Generation fragt wieder neu

| Abgelegt unter: Gesellschaft Verantwortung

Neulich ein Interview mit einem »Wendekind«, einer jungen Frau, die 1990 zehn Jahre alt war und jetzt ein Buch geschrieben hat, in dem sie ihre Wendeerfahrungen schildert/verarbeitet. Die Interviewerin fragt, was ihre Eltern zu dem Buch sagen, ob sie sich mit den Eltern über deren Leben in der DDR unterhalten hat. Hat sie und auch die Frage gestellt, wie sie, die Eltern, das denn alles mitmachen konnten; sie hätten doch gewusst, was da so alles schief läuft und welche Grausamkeiten im Namen des Sozialismus begangen wurden.

Diese Frage (sinngemäß) wurde auch der Generation gestellt, die ihr Leben im sog. Dritten Reich gelebt hat; damals, in den Sechzigern mussten sie sich das beantworten. Beide Generationen konnten es nicht legitimieren, dass sie nicht gegen das jeweilige Regime aufgestanden sind, das sie sich nicht verweigert haben. Das Leben hat sich so ergeben, könnte man als Begründung sagen. Eine Entschuldigung ist das nicht.

Was werden wir gefragt, irgendwann? Unrecht, Grausamkeiten, vergleichbar mit dem, was im Dritten Reich oder der DDR geschah, sind in der Bundesrepublik glücklicherweise nicht zu beklagen. Aber können wir den Fragen künftiger Generationen entspannt entgegen sehen? Welche Fragen könnten uns gestellt werden?

      Warum habt ihr nichts gegen den Hunger in der Welt getan?
      Warum habt ihr nichts gegen Folter in der Welt unternommen?
      Warum habt ihr zugelassen, das spätere Generationen mit eurem Wohlstandsmüll belastet werden?
      Warum habt ihr nicht früh genug etwas gegen den umweltzerstörenden Individualverkehr unternommen?

Dies wären nur ein paar mögliche Fragen; es gibt noch mehr, viel mehr. Unsere Antworten darauf werden genauso hilflos sein, wie die Antworten der früheren Genrationen auf die Fragen zu deren Mitläuferschaft.

Künftige Generation sendet Nachricht

| Abgelegt unter: Verantwortung

Sie senden keinen Terminator, lediglich eine Nachricht, mit der uns übermittelt wird, was wir zur Zeit alles falsch machen, was wir besser machen können, die eine Bitte nach einem Plan enthält, in dem die Lagerstätten der giftigen oder radioaktiven Stoffe verzeichnet sind.
Würden wir uns darum kümmern?

Obdachlose könnten Gemüse anbauen

| Abgelegt unter: Gesellschaft

Im Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 45 2011, ein Artikel (leider [noch?] nicht online verfügbar) über vier Aktivisten aus USA, Syrien, England und Israel, die für eine gerechtere Gesellschaft aktiv werden.
Ein kleiner Auszug aus dem Gespräch:

Kristen Gwynne: Genau! Das Großartige an Occupy Wall Street und all den anderen Protesten ist doch, dass die Macht wieder bei den Menschen ist. Ich meine, wenn man zum Beispiel Obdachlose mit Essensmarken abspeist, dann bekämpft man doch nur Symptome. Viel besser wäre es, diesen Menschen den Raum zu geben damit sie ihr eigenes Gemüse anbauen, ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können. Kein Zwang, sondern eigener Wille – dafür steht Occupy Wall Street.

Mit Gemüseanbau bekämpft man auch nur Symptome und weiter: wo sollen die Obdachlosen das Gemüse zubereiten – im Pappkarton unter der Brücke?
Gwynne hat Journalismus studiert, ihr Vater ist Anwalt. Ihre Vorstellung vom Leben Obdachloser scheint sehr romantisch zu sein.
Sie findet es toll, das im Occupy-Camp eine Kochecke eingerichtet wurde, es vegetarisches Essen gibt (»wir wollen uns ja ausgewogen ernähren«), es eine Bibliothek gibt und einen Kindergarten. Da stehen die Obdachlosen und schauen neidisch zu!
Wenn das die Occupy-Bewegung ist, dann wollen wir uns mal weiter ausgewogen ernähren – alles weitere ergibt sich dann. Die Macht ist wieder bei den Menschen!

Der Brahmane und die alte Frau

| Abgelegt unter: Leben Verantwortung

Der Brahmane ist unglücklich, weil er trotz seiner Forschungen, trotz er Andere belehrt, er nicht weiß, woher er kommt, noch was er ist oder wohin er geht und was aus ihm wird.
Ein altes Weib, arm und glücklich, macht sich keine Gedanken, ist zufrieden, wenn sie sich in den Wassern des Ganges waschen kann.
Der Brahmane will nicht tauschen, will nicht das Glücklichsein der alten Frau eintauschen gegen die Aufgabe seines Wissens: glücklich, aber dumm, ist für ihn kein annehmbares Angebot. Auf diese Art Glück will er verzichten.

Gelesen habe ich diese Parabel das erste mal mit Mitte Zwanzig, in einer Phase des Suchens. Damals war dieser Text eine Hilfe. Trotz Nachdenken, Lesen, mehr Wissen erwerben nicht glücklicher, nicht zufriedener werden – nicht nur mir schien es so zu gehen. Und der Weg zurück war nicht möglich; wieder »dumm«, wieder unwissender zu werden, ist keine mögliche Option.

Ist Glückichsein das anzustrebende Ziel? Hindert Denken, nach Wissen streben am Glücklichsein? Dann müsste ich es aufgeben, sofern dieses Glücklichsein das Ziel ist.

Ich kümmere mich um nichts, nehme alles hin, bin glücklich oder ich engagiere mich, erwerbe Wissen, versuche zu ändern, was mir nicht passt, aber bin dann zwangsläufig unglücklich, da ich selten das Angestrebte erreiche. Früher war dies so, früher war ich in diesem Sinne unglücklich. Heute bin ich glücklich, obwohl ich nicht alles erreiche, vieles nicht weiß. Ein großes Glück ist für mich der Wissenserwerb, dieses Wissen ab und an anwenden, etwas damit bewegen zu können.

Geschichte eines guten Brahmanen, von Voltaire (PDF, 33kB)

Lobet die Großeltern

| Abgelegt unter: Gesellschaft Medien

Es wird mal wieder die besondere Rolle der Großeltern »entdeckt« und es wird ein Artikel geschrieben, in dem dargestellt wird, das wir ohne Großeltern nicht und Nichts wären.

Großeltern werden gebraucht. So einfach ist das. Berufstätige Mütter, die eine Großmutter in ihrer Nähe haben, werden von ihresgleichen arg beneidet. Oma und Opa sind nach Eltern und Kindergarten die wichtigsten Betreuungspersonen für Kinder unter sechs, so das Deutsche Jugendinstitut in München.

So weit, so gut; das ist allgemein bekannt. Aber es geht weiter:
(weiterlesen …)

Niedergang und Dekadenz

| Abgelegt unter: Leben Literatur

»Toni Neissers keineswegs beiläufige Bemerkung knüpfte an etwas an, das für ihre Generation, anders als für die unsere, selbstverständlich war: In einer Welt, in der alles im Überfluß vorhanden war, wurde großer Wert darauf gelegt, daß man verzichten konnte. Man fürchtete sich, dem Luxus zu erliegen, seinen Wohlstand zur Schau zu stellen, es sich allzu leicht zu machen, denn in alledem lauerte die Gefahr des Niedergangs und der Dekadenz.«

(Zitat aus: Fritz Stern, Fünf Deutschland und ein Leben, dtv)

Zu Occupy – Shoppen, chillen, Schulden machen

| Abgelegt unter: Gesellschaft Verantwortung Wirtschaft

Interview mit Gerald Hörhan (arbeitete bei McKinsey und JP Morgan, besitzt ein eigenes Finanzunternehmen) bei taz.de. Es geht um die Occupy-Bewegung:

taz: Herr Hörhan, Sie haben ein Buch geschrieben, in dem Sie pauschal junge Leute beschimpfen. Jetzt sagen Sie zur Occupy-Bewegung: Eure Demos bringen nichts. Was soll das?
Gerald Hörhan: Ich beschimpfe nicht. Ich kritisiere und provoziere mit Kalkül. Ich werfe der Jugend vor, dass sie sich anpasst statt zu revoltieren und selbst etwas Neues zu entwickeln. Statt wirtschaftliche Macht aufzubauen und damit politischen Einfluss zu gewinnen will sie shoppen, chillen und Schulden machen. Wenn ich bei einem Bewerbungsgespräch fordere, jemand soll pünktlich zur Arbeit kommen und etwas leisten, dann bekommt er schon allein davon fast ein Burnout und ist noch stolz drauf. Ich sage: Hört auf zu mosern. Packt euer Schicksal selber an!

Liest sich schon mal gut, trifft aber so sicher nicht auf die Teilnehmer an Occupy zu – oder doch?

taz:Sie sind ja originell: Auf der einen Seite fordern Sie “die Jugend” auf, sich nicht anzupassen. Zum anderen kritisieren Sie die aktuellen Proteste gegen das Bankensystem als “Zirkusveranstaltung” und “sinnlos”. Was denn nun? 
Gerald Hörhan:Das Problem ist, dass die Demonstrationen nichts bringen, weil sie keine Ziele haben. Deshalb haben auch die Proteste in Spanien rein gar nichts gebracht. Ich gebe dagegen eine klare Anleitung, was wie zu tun ist. Wer wirtschaftliche Macht aufbauen will, muss Grundbegriffe der Wirtschaft kennen. Es ist gar nicht so schwer, die zu lernen, und es bringt was.

Das ist wichtig – sich mit dem befassen, was man kritisieren, was man ändern will, da ansonsten die Kritik verpufft, da ansonsten eine Änderung schwerlich zu erreichen ist, eine Kritik zu leicht zu widerlegen ist (wenn ich z.B. einen Motor ändern will, weil mir seine Leistung nicht gefällt, muss ich auch wissen, wie er funktioniert).
Die »Proteste« bleiben andernfalls Event und werden keine Bewegung.