Und der HERR sprach zu Kain: »Wo ist dein Bruder Abel?« Und er sprach: »Ich weiß nicht. Bin ich’s, der meinen Bruder bewahrt?« Dieses Bibelzitat fällt mir – ohne dass ich einer Religion angehöre – oft ein, wenn ich Lese oder Höre, wie wir auf Kosten anderer Menschen unser Wohlleben erhalten. Darüber in dieser Kategorie und unter der Überschrift die entsprechenden Anlässe.
Sie sind so schön billig, die Blumen an der Kasse der Discount-Märkte. 10 Rosen für 2,99 EUR, Mitten im Winter. Sie kommen aus Afrika, werden dort angebaut, auf Böden, die dadurch nicht mehr für die Ernährung der Afrikaner zur Verfügung stehen. Auch Paprika, Tomaten und anderes Gemüse für den europäischen Markt und die reichen Länder des Nahen Ostens. Fruchtbares Land in Afrika wird Gegenstand von Spekulationen von westlichen Investmentgesellschaften; die einheimischen Bauern können da nicht mehr mithalten.
Nach Angabe des in Montreal ansässigen Forschers Devlin Kuyek, werden Investitionen in Afrika von vielen Regierungen als neue Möglichkeit betrachtet, die eigene Versorgung mit Lebensmitteln zu sichern. »Die reichen Länder haben nicht nur deshalb ein Auge auf Afrika geworfen, weil sich ihre Investitionen hier gut amortisieren lassen, sie betrachten dies auch als eine Art Versicherungspolice. 2008 gab es in 28 Ländern Lebensmittelunruhen, die Wasservorräte gehen weltweit zur Neige, Klimawandel und enormes Bevölkerungswachstum haben das Land attraktiver gemacht. Afrika hat das meiste Land und ist, verglichen mit anderen Länder, billig«, so Kuyek weiter. Viele Nichtregierungsorganisationen und Einheimische verurteilen diese Verträge als »neuen Kolonialismus«, der die Menschen von ihrem Land vertreibt und ihnen die ohnehin schon knappen Ressourcen entzieht.
Statt den Menschen zu helfen, menschenwürdig zu leben, geht es auch hier nur ums Verdienen. Als Alibi werden dann Almosen, als Entwicklungshilfe verbrämt, verteilt. Und auch daran verdienen die Geber.