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Texte und Photos / Kann Spuren von Sinn enthalten

Kinderlos – bin ich ein Sozialschmarotzer?

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Wir haben keine Kinder. Warum dies so ist, geht nur uns etwas an. Wir haben 43 Jahre gearbeitet, Steuern und Sozialabgaben gezahlt. Das ist anscheinend nicht ausreichend. Kinderlose wie wir, sollen mehr Sozialabgaben zahlen, wenn es nach Mitgliedern der CDU geht.

Da kinderlos, haben wir von unserem Einkommen einen entsprechend hohen Satz an Steuern gezahlt. Die Sozialabgaben orientierten sich an unserem Gehalt, welches vielleicht weil wir kinderlos waren, höher war, als das von Arbeitenden mit Kindern und somit auch zu höheren Sozialabgaben führte. Von unseren Steuern wurde und wird u.a. auch das Bildungssystem bezahlt und auch Kindergeld wird aus Abgaben gezahlt, für die wir mit aufkommen. Unsere Krankenversicherungsbeiträge enthielten auch Anteile dafür, das Kinder im Rahmen der Krankenversicherung der Eltern ohne besonderen Beitrag versichert sind.

Wir sind für eine dauerhafte Erhaltung unseres Sozialsystems, wozu auch das Rentensystem gehört. Das Rentensystem basiert auf dem Solidarprinzip; die Beitragszahlung orientiert sich am Gehalt, ist ein einheitlicher Prozentsatz (und wurde gerade von der CDU-geführten Regierung reduziert). Es steht anscheinend gut um unser Rentensystem!

Wenn Kinderlose künftig mit einer »Sondersteuer« belegt werden sollen – bekommen sie diese erstattet, wenn sie später doch noch Kinder bekommen? Müsste – um es gerecht zu machen – dann nicht auch eine »Sondersteuer« abhängig von der Kinderzahl gezahlt werden? Denn je mehr Kinder, desto mehr künftige Beitragszahler.

Jede Generation fragt wieder neu

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Neulich ein Interview mit einem »Wendekind«, einer jungen Frau, die 1990 zehn Jahre alt war und jetzt ein Buch geschrieben hat, in dem sie ihre Wendeerfahrungen schildert/verarbeitet. Die Interviewerin fragt, was ihre Eltern zu dem Buch sagen, ob sie sich mit den Eltern über deren Leben in der DDR unterhalten hat. Hat sie und auch die Frage gestellt, wie sie, die Eltern, das denn alles mitmachen konnten; sie hätten doch gewusst, was da so alles schief läuft und welche Grausamkeiten im Namen des Sozialismus begangen wurden.

Diese Frage (sinngemäß) wurde auch der Generation gestellt, die ihr Leben im sog. Dritten Reich gelebt hat; damals, in den Sechzigern mussten sie sich das beantworten. Beide Generationen konnten es nicht legitimieren, dass sie nicht gegen das jeweilige Regime aufgestanden sind, das sie sich nicht verweigert haben. Das Leben hat sich so ergeben, könnte man als Begründung sagen. Eine Entschuldigung ist das nicht.

Was werden wir gefragt, irgendwann? Unrecht, Grausamkeiten, vergleichbar mit dem, was im Dritten Reich oder der DDR geschah, sind in der Bundesrepublik glücklicherweise nicht zu beklagen. Aber können wir den Fragen künftiger Generationen entspannt entgegen sehen? Welche Fragen könnten uns gestellt werden?

      Warum habt ihr nichts gegen den Hunger in der Welt getan?
      Warum habt ihr nichts gegen Folter in der Welt unternommen?
      Warum habt ihr zugelassen, das spätere Generationen mit eurem Wohlstandsmüll belastet werden?
      Warum habt ihr nicht früh genug etwas gegen den umweltzerstörenden Individualverkehr unternommen?

Dies wären nur ein paar mögliche Fragen; es gibt noch mehr, viel mehr. Unsere Antworten darauf werden genauso hilflos sein, wie die Antworten der früheren Genrationen auf die Fragen zu deren Mitläuferschaft.

Fragmente [26]

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Wird jemand »unverschuldet« arm, haben wir Mitleid; ihm wird geholfen, manchmal widerwillig. Dem »Wiederholungstäter« wird die Hilfe irgendwann versagt.
Wird jemand »unverschuldet« reich (dann sagt man »unverdient«) wird er beneidet, obwohl er es nicht verdient hat. Ihm müßte auch geholfen werden, indem man ihm von einem Großteil seines Reichtums entlastet, den er ja nicht verdient hat.

Künftige Generation sendet Nachricht

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Sie senden keinen Terminator, lediglich eine Nachricht, mit der uns übermittelt wird, was wir zur Zeit alles falsch machen, was wir besser machen können, die eine Bitte nach einem Plan enthält, in dem die Lagerstätten der giftigen oder radioaktiven Stoffe verzeichnet sind.
Würden wir uns darum kümmern?

Nachrichten aus der Petrischale [1]

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Petrischale - Image von Carsten Jünger, pixelio.de

Image von Carsten Jünger, pixelio.de

Wir leben wie eine Bakterienkolonie in einer Petrieschale. Unter der Überschrift »Nachrichten aus der Petrischale« hier Texte, Berichte aus der Petrischale, die zeigen, wie wir trotz Wissen über die Begrenztheit der »Nährlösung« in der Petrischale so leben, als gäbe es keine Grenzen. Wir leben wie die Bakterien, vermehren uns und leben ungehemmt, bis die Nährlösung aufgebraucht ist oder wir an den Stoffwechselabfällen unserer Lebensweise zugrunde gehen. Der Spruch: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.« gilt nicht für uns, denn wir wissen, was wir tun.

Naheliegend für den ersten Bericht ist die sog. UN-Klimakonferenz, auch (Welt-)Klimagipfel oder Welt-Klimakonferenz, die z.Zt. in Durban stattfindet. Sie wird, trotz der bekannten prekären Lage, wirkungslos enden.
Der immer gern gebrachte Satz: »Wir müssen an die zukünftigen Generationen denken, ihnen eine bewohnbare Erde überlassen.« (oder ähnliche Sprüche), ist eine der größten, zur Zeit in Gebrauch befindlichen Phrasen. Würde dies ernst gemeint, hätten wir schon vor vielen Jahren anders verfahren müssen. Das impliziert aber einen Verzicht auf ungebremstes Wachstum in heutiger Zeit, denn es soll ja etwas für die kommenden Generationen übrig bleiben, oder?
Aber »verzichten« ist eines der in unserer Zeit meistgehassten Worte. Wir Deutsche würden zwar auf Fernreisen und Autos verzichten, aber nur dann, wenn das Geld, das uns zur Verfügung stünde, knapp würde – und nicht etwa, weil sich Autos und Fernreisen klima- und umweltschädlich auswirken. Der Gedanke an künftige Generationen taucht in diesem Zusammenhang nicht auf. Es liegt anscheinend nicht in »unserer Natur«, über unsere Generation hinaus zu denken. Frühere Generationen haben ja auch nicht an uns gedacht, oder? Wir schaffen es ja nicht einmal, an unsere Generation zu denken – wie die Bakterien in einer Petrischale.

Etwas zum Thema:
In Durban wirds keinen Durchbruch geben
KLIMAWANDEL IN INDONESIEN Der Hintern der Welt
Rückschlag für Klimafonds
CO2-Einlagerung im grossen Stil (anstatt Verzicht)
Das Klima verdüstert sich
Klimaforschung Eine Wissenschaft in der Falle der eigenen Wichtigkeit
Das Novemberwetter So trocken wie noch nie
Die Weltklimakonferenz in Durban Marathon zu einer umfassenden Klimaschutzarchitektur (“Marathon statt Kurzstrecke”) (haben wir die Zeit für einen Marathon?)

Warum schweigt die schweigende Mehrheit?

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Immer wieder lese und höre ich von der sog. schweigenden Mehrheit. Nur eine Minderheit artikuliert sich und hält den Laden am Laufen. In Griechenland haben z.B. ca. 100.000 Menschen gegen den Sparkurs demonstriert (Einwohner: ca. 10,8 Mio.). Das Verhältnis der Demonstranten in Ägypten zur Einwohnerzahl dürfte mindestens ähnlich sein.
Bei solchen Zahlen fällt mir das Paretoprinzip ein, obwohl dieses Prinzip von einer 80:20-Verteilung ausgeht und somit viel optimistischer hinsichtlich der Menge der wesentlichen Minderheit ist. Die Berechtigung einer Anwendung des Paretoprinzips auf gesellschaftliche Vorgänge und Kräfteverhältnisse ist sicher zweifelhaft, wenn nicht gar weit hergeholt, aber auch hier zeigt sich, das eine Minderheit (egal, wie hoch die prozentualen Verhältnisse sind) der Beweger, der Änderer ist. Die Frage, die ich mir stelle: Warum schweigt die schweigende Mehrheit?

Schuldenkrise, relativiert

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Wir kennen z.Zt. (oder eigentlich ist immer nur ein Thema, über das sich echauffiert wird) nur die Schuldenkrise, die Rettung Europas (was ist da eigentlich zu retten?). Schaut man auf andere Länder, Lebenssituationen, relativiert sich das ganz schnell und beschämt uns noch dazu.
Die verzweifelte Lage am Horn von Afrika treibt jährlich Tausende in die Flucht und in die Hände skrupelloser Menschenschmuggler. Wer es trotzdem schafft, den Golf von Aden zu überqueren, findet unerwartete Hilfe im Jemen. Dort hilft die jemenitische Society for Humanitarian Solidarity (SHS) den Flüchtlingen.

Aussergewöhnlich sind vor allem die Umstände, unter denen die SHS ihren Einsatz leistet: Der Jemen ist das ärmste Land auf der arabischen Halbinsel, fast vierzig Prozent der einheimischen Bevölkerung leiden an Hunger, knapp die Hälfte kann nicht lesen und schreiben, seit Jahrzehnten schon schwelen Konflikte, immer wieder kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Schlimmer noch ist es jenseits des Golfs, wo Bürgerkrieg und Dürre die Menschen in die klapprigen Boote von Schlepperbanden treiben. Rund 65 000 somalische Flüchtlinge sind seit Anfang Jahr an den felsigen Küsten des Jemen gestrandet. So viele waren es noch nie.

Nur wer wenig hat, weiß, was Solidarität bedeutet.

via WOZ

Wo ist dein Bruder …? [5]

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Und der HERR sprach zu Kain: »Wo ist dein Bruder Abel?« Und er sprach: »Ich weiß nicht. Bin ich’s, der meinen Bruder bewahrt?« Dieses Bibelzitat fällt mir – ohne dass ich einer Religion angehöre – oft ein, wenn ich Lese oder Höre, wie wir auf Kosten anderer Menschen unser Wohlleben erhalten. Darüber in dieser Kategorie und unter der Überschrift die entsprechenden Anlässe.

Sie versuchen ihren Lebensunterhalt zu verdienen, indem sie in gigantischen Abfall»deponien« nach verwertbaren Metall suchen – unter unbeschreiblichen Umständen, wie die Bilder bei The Big Picture zeigen.

Dangerous work: “The Mine” in Guatemala City
In Guatemala City, a place called “The Mine” can deliver both a means of survival and a grisly death. Every day, dozens of residents salvage a living by scouring the massive dump for scrap metal. Facing the threat of mudslides, collapses, and disease, they can potentially earn twice the daily minimum wage.

Der Brahmane und die alte Frau

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Der Brahmane ist unglücklich, weil er trotz seiner Forschungen, trotz er Andere belehrt, er nicht weiß, woher er kommt, noch was er ist oder wohin er geht und was aus ihm wird.
Ein altes Weib, arm und glücklich, macht sich keine Gedanken, ist zufrieden, wenn sie sich in den Wassern des Ganges waschen kann.
Der Brahmane will nicht tauschen, will nicht das Glücklichsein der alten Frau eintauschen gegen die Aufgabe seines Wissens: glücklich, aber dumm, ist für ihn kein annehmbares Angebot. Auf diese Art Glück will er verzichten.

Gelesen habe ich diese Parabel das erste mal mit Mitte Zwanzig, in einer Phase des Suchens. Damals war dieser Text eine Hilfe. Trotz Nachdenken, Lesen, mehr Wissen erwerben nicht glücklicher, nicht zufriedener werden – nicht nur mir schien es so zu gehen. Und der Weg zurück war nicht möglich; wieder »dumm«, wieder unwissender zu werden, ist keine mögliche Option.

Ist Glückichsein das anzustrebende Ziel? Hindert Denken, nach Wissen streben am Glücklichsein? Dann müsste ich es aufgeben, sofern dieses Glücklichsein das Ziel ist.

Ich kümmere mich um nichts, nehme alles hin, bin glücklich oder ich engagiere mich, erwerbe Wissen, versuche zu ändern, was mir nicht passt, aber bin dann zwangsläufig unglücklich, da ich selten das Angestrebte erreiche. Früher war dies so, früher war ich in diesem Sinne unglücklich. Heute bin ich glücklich, obwohl ich nicht alles erreiche, vieles nicht weiß. Ein großes Glück ist für mich der Wissenserwerb, dieses Wissen ab und an anwenden, etwas damit bewegen zu können.

Geschichte eines guten Brahmanen, von Voltaire (PDF, 33kB)

Kurze Auszeit, statt etwas zu verändern

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Heft 43/2011 des »Süddeutsche Zeitung Magazin« hat als Hauptthema »nette Gastgeber« – Egal, wie weit wir fahren: Am schönsten ist Urlaub da, wo wir uns sofort daheim fühlen.
Südtirol, Neuseeland, Kloster Athos, die Abruzzen, Bali, Kyoto, Chile, Indien. Sätze wie: »Der Dalai Lama brach in Tränen aus, als er hier war – so schön ist es.«, »Man muss nicht religiös sein, um hier das Paradies zu finden.« oder »In der Klosterrepublik leben die Mönche nicht in einer anderen Zeit, aber völlig anders als der Rest der Welt. Ein idealer Zufluchtsort für junge Griechen, die genug von der Krise haben.« zeigen, das es hier in Richtung Idylle, kurzeitig abwenden von der Wirklichkeit, geht. Es wird Kraft getankt, um danach wieder mitzuschwimmen im Strom, den man als Belastung empfindet, aber als nicht änderbar hinnimmt. 14 Tage, vielleicht 3 Wochen, mehr Ausstieg geht nicht. Danach wird wieder mitgeschwommen, aber darüber räsoniert, wie schlimm das alles ist und wie gut es doch die Leute haben, die zwar (materiell) ärmer als wir sind, dafür aber glücklicher. (Um zu diesen glücklichen Menschen zu kommen, muss man allerdings Geld haben!)
Die Zeit ist gerade günstig – werde ärmer, aber glücklicher!