Evgeny Morozow in seinem Artikel »Back to the Roots: Cyberspace als öffentlicher Raum«
In den Anfängen des Web 2.0 – also der Internetseiten der zweiten Generation, die über dynamische, gemeinschaftlich nutzbare Inhalte verfügten oder soziale Netzwerke bildeten – erschienen viele dieser Probleme als imaginär: Warum sollte man sich die Mühe machen, Tweets und Blog-Beiträge zu erhalten, wo sie doch ohne weiteres online wiederzufinden sind? Heute jedoch, wo bekannte Dienste wie Digg, Flickr oder Delicious schwere Zeiten durchmachen, können wir uns ganz und garnicht darauf verlassen, dass unsere Daten dort gut aufgehoben sind – denn möglicherweise stehen sie bald vor dem Untergang.
…
Um einige Grundfragen hinsichtlich der Gemeinschaftsaspekte des Internet hat man sich einfach gedrückt. Wer würde den Müll entsorgen und Betrugsfällen nachgehen – sich also um spamming and scamming kümmern? Wer wäre für die Erhaltung von historisch Erinnernswerten verantwortlich, also für die kurzlebigen Tweets und Blog-Beiträge, die im digitalen Loch zu verschwinden drohen? Wer würde sich mit der Umweltverschmutzung im Cyberspace befassen – also mit heimtückischen Praktiken wie der »Suchmaschinen-Optimierung« oder content farms, die banale Inhalte produzieren, um Werbeeinnahmen zu erzielen? Wer könnte die Würde der Online-Bürger schützen? Wer würde ihre Intimsphäre gewährleisten und sie vor übler Nachrede, vor Verunglimpfung bewahren?
…
Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, ob das Internet wie ein Einkaufszentrum aussehen soll – oder ob es ein Ort wird, wo demokratische Öffentlichkeit vorherrscht.