Aus Diskussionen um das Verhalten von Angehörigen des weiblichen Geschlechts halte ich mich seit langem raus. Man(n) wird da in Nullkommanichts in eine Ecke gestellt, aus der man nicht wieder raus kommt und das meist unabhängig davon, ob das Gesagte zutreffend ist oder nicht. Gäbe es einen Feind, könnte mein Verhalten als »Feigheit vor dem Feind« bezeichnet werden, aber wie gesagt – es gibt keinen Feind, zumindest nicht aus meiner Sicht!
Interessant sind dann für mich Beiträge zu diesem Thema, die von Frauen stammen. Und so etwas findet sich im Heft 22 des »Süddeutsche Zeitung Magazin« vom 04. Juni 2010. Unter dem Titel »That’s why the Lady is a Tramp« schreibt sich Charlotte Raven ihren Frust von der Seele.
Was ist da bloß schiefgelaufen? Es gab mal die tolle Idee des Feminismus, dann wurde daraus Girlpower, dann Narzissmus. Die Frauenbewegung des beginnenden 21. Jahrhunderts ist der Femizissmus.
Ein paar Auszüge aus dem lesenswerten Artikel, der meine Beobachtungen bestätigt – aber ich hätte mich das nie zu schreiben gewagt!
Die Überzeugung vieler Frauen, sie seien etwas Besonderes, und alles, was sie sich wünschten, stehe ihnen natürlich auch zu, hat sich im gleichen Umfang aufgeblasen wie die zwei berühmtesten Argumente der Katie Price.
Wie es so weit kommen konnte? Feministinnen geben gern männlichen Sexisten die Schuld – das ist einfach, aber unfair. In Wahrheit müssen wir Frauen die Schuld ausschließlich bei uns selbst suchen. Während Frauen wie Price unermüdlich ihre Botschaft unters Volk brachten, sind die Feministinnen leichtsinnig und unseriös geworden und dem Sendungsbewusstsein einer Katie Price, die Narzissmus als Lebensentwurf predigt, kaum gewachsen. In einer Umfrage unter tausend britischen Mädchen gaben sechzig Prozent an, »Topmodel« sei ihr bevorzugtes Karriereziel, 25 Prozent konnten sich vorstellen, Stripperin zu werden – für Deutschland gibt es ähnliche Zahlen. Der Wertekatalog hat sich in jeder Hinsicht in Richtung Katie Price verschoben.
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Traurig, aber wahr: Der Feminismus hatte sich seiner Verantwortung entledigt, unbequeme Wahrheiten ans Licht zu zerren. Nach zehn Jahren mit aufgeblähtem Ego ist das eingetreten, was vorhersehbar war: Wir sind hyperselbstsicher, hypersexuell und machen keinen Hehl daraus, dass wir alles tun würden, was uns nach ganz oben bringt. Wir sehnen uns noch immer nach der Ekstase des Erfolgs. Ein flüchtiges Gefühl, selbst für diejenigen an der Spitze der Karriereleiter. Was Frauen wollen, ist nicht länger ein Geheimnis. Heute ist es nicht der Beruf, der einen erfüllt, oder ein glückliches Familienleben, sondern Aufstieg im weitesten Sinne.
Das sieht sehr danach aus, dass die Gleichberechtigung so verstanden wurde, möglichst viele negative Eigenschaften der Männer zu übernehmen. Das Credo zum Schluß:
Die Dinge, die uns verletzen, würden niemals »auch Spaß machen« können. Wir würden keine albernen Schuhe mehr tragen oder einen Blog über unser Sexleben schreiben. Vor allem aber würden wir der Verlockung widerstehen, Karikaturen unserer selbst zu sein. Wir würden auf die falschen Wimpern einer Katie Price pfeifen. Wir würden unsere Lust an der Missionarsstellung mit dem Menschen neben uns im Bett wiederentdecken. In jeder Sphäre unseres Lebens wären wir frei genug, uns für die Normalität zu entscheiden.

