Bei erfolgloser Therapie die Behandlungskosten erstatten

verspricht die Medizinfirma Roche den Kliniken:

taz: Herr Ludwig, wenn ein Krebsmedikament wirkungslos ist, gibt es künftig Geld zurück. Das jedenfalls bietet der Pharmahersteller Roche Krankenhäusern an, die Patienten mit seinem Präparat Avastin behandeln. Eine bestechende Idee, um die extremen Arzneimitteltherapiekosten im Gesundheitssystem zu senken?

Wolf-Dieter Ludwig: Die Idee ist vor allem bestechend unanständig. Roche versucht hier, per Vertrag Anreize zu geben, dass Ärzte in Krankenhäusern ein bestimmtes Medikament verordnen. Ein Medikament überdies, an dem es bei einigen Indikationen erhebliche Zweifel gibt, was den therapeutischen Nutzen angeht. Die amerikanische Zulassungsbehörde wird demnächst aller Voraussicht nach die Zulassung von Avastin zur Behandlung von Brustkrebs widerrufen. Fragwürdig erscheint die Gabe von Avastin auch bei anderen Indikationen. In dieser Situation bietet der Hersteller Verträge an, die seinem hinsichtlich Zusatznutzen umstrittenen Präparat zu neuem Aufschwung verhelfen sollen. Besonders bedenklich finde ich, dass das Krankenhaus ausgerechnet dann verdienen soll, wenn das Medikament nicht wirkt.

So in einem Interview der taz mit dem Chef der Arzneimittelkommission, Wolf-Dieter Ludwig. Werde ich als Patient von solchen »Pay-for-Performance-Verträgen« vor Beginn der Behandlung unterrichtet und kann ich die Anwendung des Medikaments verweigern? Werden die Krankenhauspatienten zu unfreiwilligen Versuchskaninchen?
Muß ich mir für einen eventuellen Krankenhausaufenthalt vormerken und dann klären.

4 Kommentare

  1. Stefan

    Es ist schon ein wenig erschreckend. Allerdings ist es wohl so, dass die Ärzte heutzutage ohnehin nicht die Medikamente ausschließlich nach einer Wirksamkeitseinschätzung auswählen.

    Antworten
  2. Medikamentenskepsis

    Auch im Krankenhaus hat der/die Patient/in ein Anrecht darauf, “den Beipackzettel zu lesen” – nur bestehen die wenigsten darauf, obwohl es eigentlich zur Aufklärung dazu gehört. Ohne diese umfassende Aufklärung ist jede körperliche Behandlung eigentlich strafbare Körperverletzung, denn diese wird nur strafbefreit, wenn der Patient zustimmt. Das wiederum kann er/sie nur, wenn er/sie entsprechend UMFASSEND beraten wurde, d.h. die Entscheidung für das jeweilige Mittel trifft entweder Patient/in SELBST oder aber die behandelnden Ärzte machen sich STRAFBAR. Vor diesem Hintergrund wäre es ein leichtes, sämtliche unwirksamen Behandlungen von vornherein auszuhebeln, aber der Krankenhausbetrieb schüchtert die hilfsbedürftigen Menschen zu sehr ein. Am besten anhand entsprechender Internet-Seiten vorab oder begleitend informieren und dann kritische Fragen stellen. Schon kritisches Hinterfragen dürfte den einen oder anderen Mediziner von unsauberen Praktiken Abstand nehmen lassen.

    Antworten
    1. HF Beitragsautor

      Interessant – bei meinen Krankenhausaufenthalten bin ich bisher über vieles informiert und beraten worden, aber nie über Arzneimittelnebenwirkungen. Deinen letzten Satz werde ich mir zu Herzen nehmen!

      Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *